
Le Passage du Col
est-ce que tout le monde est prête presque
est-ce que tout le monde est prête
moteur
l’entrée verte
la fenêtre
coupez
le bureau
la table
la blouse florale
la blouse bleue
bonjour
la boîte énorme
ça m’a fait un peu de peur
les instruments stériles
trois spéculums
rouge bleu vert
la pince de pozzi
les branches petites
ça va
ça va
une démo
c’est l’utérus
en plastique
je pousse
maintenant je crois que je suis prête
vous êtes prêtes prête
coupez
la préparation
les mains
le lavabo
l’eau
le savon
la table d’examen
les jambes
soufflez souffle
coupez
les lèvres
les poils blonds
c’est juste un peu de froid
le spéculum en plastique
ouvert
quelque chose comme
un peu de sang
autour d’un fil noir
c’est le point noir qu’on voit
c’est pas un point noir
c’est comme une boule
ça va
ça va
je vais pousser
soufflez
soufflez
soufflez
après
le coupage des fils
coupez
ça va
ça va
je vous dois combien
du sang des contractions
après
la rue
les gens
le trottoir
la croix bleue
l’auvent rouge
les poubelles vertes
les branches
– Text von Elisa Weinkötz
Le Passage du Col, ein Text der deutschen Lyrikerin Elisa Weinkötz, basiert auf dem gleichnamigen Film von Marie Bottois, der die Regisseurin selbst bei einem Termin bei einer Gynäkologin begleitet. Es entwickelt sich eine Sprache des Einvernehmens, der Transparenz und Empathie, in der die Patientin/Darstellerin vollste Kontrolle und Kenntnis über den Eingriff/den Dreh hat. Die gezeigte traumasensible Behandlung wird zur Selbstermächtigung und Offenlegung erlebter gynäkologischer Gewalt, die so oft verschwiegen wird, geschweige denn in Bildern vorkommt.
Nachwort der Lektorin
Vor der Ungreifbarkeit der filmischen Bilder kann das Dingliche Raum gewinnen. Was ist wirklich da und was bleibt? Das Aufeinandertreffen von Bewegtbild und Wort führt im Text Le Passage du Col von Elisa Weinkötz zu einer Konzentration auf das Dingliche – das Sachliche als Respekt vor dem Film. In der Konfrontation mit der Unfassbarkeit der Bilder entsteht eine nüchterne Sprache, die Dinge inseriert, protokolliert. Sie wird zur Neuorientierung vor den Bildern – zur Stunde Null des Formulierens von Gesehenem und Gehörtem. Das Wort strebt nach Präzision und scheut davor zurück, etwas hinzuzufügen.
Sprache, die konkreter ist als Bilder, kann an einer Übertragung, einer terminologischen Einfassung nur scheitern, zerfällt in Wortfetzen – als konkrete Bildpartikel sind sie im leeren Raum verstreut. In der Auslassung, der Leere dazwischen, hallt Ungreifbares nach. Weinkötz‘ Sprache ist, inspiriert vom Film Le Passage du Col, gleichzeitig steriles Instrument und von Consent durchdrungen – ein Zeugnis von Solidarität, klar und einfühlsam.
